Dialoge Projekte – Kunst als Begegnung
Die Dialoge-Projekte entstanden aus meiner künstlerischen Arbeit der späten 1980er-Jahre und aus der Frage, wie Kunst über das eigene Werk hinaus gesellschaftliche Wirklichkeit berühren kann.
In einem Gespräch mit Manfred Triesch vom Goethe-Institut München erzählte ich von meinem Wunsch, als Künstler etwas gegen alltäglichen Rassismus zu unternehmen. Seine Antwort überraschte mich: Er schlug mir vor, selbst als Gastarbeiter in die Türkei zu gehen. Die Idee, die Perspektive zu wechseln und eine gesellschaftliche Situation nicht nur von außen zu betrachten, sondern selbst zu erfahren, ließ mich nicht mehr los.
Einige Monate später wurde ich vom Goethe-Institut Izmir eingeladen, an der Dokuz-Eylül-Universität einen Workshop durchzuführen. Ich wollte jedoch nicht mit einem fertigen Konzept kommen. Zunächst wollte ich die Studierenden kennenlernen, zuhören und erfahren, was sie selbst bewegte.
So entstand aus einem geplanten Workshop ein gemeinsamer künstlerischer Prozess. In Izmir und Istanbul entwickelten wir Ausstellungen im öffentlichen Raum, auf einem Bahnhof und einer historischen Straße und damit bewusst außerhalb des geschützten Raumes der Universität. Studierende bezogen Anwohner und Passanten ein. Die Kunst wurde zum Anlass für Begegnung, Austausch und gegenseitiges Kennenlernen. Aus diesen Erfahrungen entwickelten sich weitere Dialoge-Projekte und Lectures in Osaka, Bangkok, Jakarta, Chennai, Damaskus, Aleppo und Sarajevo.
Die Begegnungen mit Menschen in unterschiedlichen kulturellen und gesellschaftlichen Situationen veränderten meine eigene künstlerische Haltung nachhaltig. Ich lernte, dass Kunst nicht unbedingt Antworten geben muss. Ihre Stärke kann vielmehr darin liegen, einen Raum zu schaffen, in dem unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven sichtbar werden und miteinander in Kontakt treten.
Die Dialoge-Projekte wurden für mich zu einem fortlaufenden Lernprozess über Begegnung, Migration und Integration – und über die Möglichkeit der Kunst, Grenzen zwischen Menschen zumindest für einen Moment durchlässig zu machen.
Dialoge Projekte